09.03.2021

Leserbrief zur PM der FDP „Liberale entdecken das Thema Energiewende für sich“

Es ist sehr zu begrüßen, dass nun auch die FDP aktiv gegen die Energiewende vorgehen will – zumindest wurde dies in einer Pressemitteilung für die nächste Legislaturperiode angekündigt. Ich hoffe, dass dies nicht nur dem „Trend“ geschuldet ist.

Bereits 1999, also vor mehr als 20 Jahren, wurde in Hattersheim das erste Neubaugebiet (Gärtnertor) mit Nahwärme und Strom durch Blockheizkraftwerke versorgt. Damals war die FDP mehr als skeptisch. Als „Sardine im Haifischbecken“ (Zitat des Fraktionsvorsitzenden Dietrich Muth) wurde dem kommunalen Vorhaben keine gute Zukunft prognostiziert.

Aber ich räume ein, der Start war nicht einfach, denn besonders die Liberalisierung des Strommarktes 1998*, die noch von der CDU/FDP Bundesregierung (mit FDP-Wirtschaftsminister Rexroth) auf den Weg gebracht wurde, erschwerte die Wirtschaftlichkeit und damit die Umsetzung des Vorhabens.

*(Strommarktliberalisierung: es sollten ursprünglich die Monopole „geknackt“ werden, hat aber dazu geführt, dass die 4 großen Energiekonzerne (RWE; Vattenfall, EnBW und EON) das Feld unter sich aufgeteilt haben und bis heute den Strommarkt dominieren.)

Seit 1999 werden alle weiteren neuen Wohnbaugebiete in Hattersheim mit Nahwärme versorgt, zuletzt das Gebiet an der Ölmühle. Wobei ich sagen muss, was 1999 noch innovativ war, ist heute nichts Spektakuläres mehr. Vielmehr müssten jetzt flächendeckend modernere Technologien und Bauweisen, wie Energie-Plus-Häuser und eine CO²-freie Energieversorgung, umgesetzt werden, um die Beschlüsse von Paris umzusetzen und Deutschland bis zum Jahr 2050 komplett CO²-neutral zu machen.

Hattersheim wurde im Januar 2012 zur Energiekommune ausgezeichnet. Daran sollte wieder angeknüpft werden.

Link: https://www.unendlich-viel-energie.de/die-agentur/projekte/energie-kommunen/energie-kommune-des-monats-hattersheim

Es braucht auch auf kommunaler Ebene immer wieder neue Ideen und Mut diese auch gegen Widrigkeiten umzusetzen. Es braucht viele Verhandlungen mit Bauträgern, Grundstückseigentümern und Investoren. Es brauch die Auseinandersetzung mit Energiekonzernen, die im Sinne ihrer Unternehmen entscheiden.  Die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger sollte unser Ziel sein. „Energie in Bürgerhand“, Solaranlagen auf die Dächer, umweltfreundliche und klimaneutrale Wärmeversorgung unserer Häuser, Autos, die mit selbst erzeugtem Strom fahren… es gibt noch viel zu tun, auch in Hattersheim.

Karin Schnick
Erste Stadträtin a.D.
Bündnis 90/Die Grünen

 



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