Was haben Glasgow, Berlin und Hattersheim gemeinsam?

Leserbrief

Was haben Glasgow, Berlin und Hattersheim gemeinsam?
Es wird auf allen Ebenen zu wenig für den Klimaschutz getan.

Viele fragen sich, was da auf uns zukommen mag, und befürchten hohe Kosten. Aber sicher ist, dass es deutlich teurer wird, wenn einfach so weiter gemacht wird wie bisher. Manche meinen ja, dass ja für Klimaschutz schon genug getan wird, und dass schon viel erreicht wurde. Dabei ist wohl in diesen Tagen klar geworden, dass wir die 1.5-Grad-Marke nicht mehr halten können.

Meist wird von Verzicht und Einschränkungen gesprochen, für manche ist es gar zu spät und es gibt tatsächlich noch Leute, die den Klimawandel nicht als Problem erkennen (wollen). Dabei ist weltweit anerkannt, dass bereits in naher Zukunft unser CO2-Budget aufgebraucht ist und alle ihren Teil dazu beitragen müssen. Auch Hattersheim muss CO2-neutral werden – nicht erst 2050 oder 2040 sondern so schnell wie möglich.

Wo stehen wir derzeit in Hattersheim?

Ich sehe, dass wir bald wieder eine Stadthalle haben werden, die sicherlich vielen gefallen wird. Aber was hätte man mit den ca. 10 Mio. EUR Renovierungskosten, oder den über 300.000 EUR laufende Kosten pro Jahr alles hinsichtlich Klimaschutz machen können?

Jede Verkehrsplanung muss den Klimaschutz berücksichtigen – also Radfahren und öffentlichen Verkehr fördern und ausbauen. Elektroladestationen in allen Wohngebieten, auf öffentlichen Parkplätzen und vor Einkaufsmärkten, vor öffentlichen Gebäuden und in Gewerbegebieten. Ist das noch zeitgemäß bei Straßenerneuerungen – wie am Südring - keine Radspur vorzusehen?

Jedes neue Baugebiet muss 100% CO2-neutral geplant werden, denn vor allem die Beheizung der Gebäude lässt sich nur mit großem Aufwand umstellen. Es gibt neue Unternehmen, die mit Ihren modernen Datencentern einen Beitrag zur Digitalisierung leisten,aber die enorme Abwärme der Anlagen wird ungenutzt in die Umgebung abgegeben. Nachhaltig wäre doch eine Nutzung der Wärme in angrenzenden Gebäuden.

Es braucht Weitblick und mutige Vorgaben aus dem Rathaus. Ein Stadtentwicklungskonzept, das solche integrierten Lösungen aufzeigt und die Umsetzungsmöglichkeiten definiert, wurde bereits vor Jahren zugesagt und ist längst überfällig. Dass Hattersheimer Bürgerinnen und Bürger sich engagieren und anpacken können, zeigt sich in unterschiedlichen Bereichen.

  • Mit Müllsack und einem Greifer in der Hand wird an jedem ersten Samstag im Monat  aufgeräumt und somit verhindert, dass der Müll in der Natur Schaden anrichtet.
  • Auch immer mehr Hattersheimerinnen und Hattersheimer lassen das Auto stehen und nutzen ihr Fahrrad nicht nur in der Freizeit, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder Sport.
  • Ein Solarstammtisch hat sich auf Initiative engagierter Bürger*innen gegründet, um den Ausbau von Solaranlagen voranzubringen, den Austausch über Photovoltaik zu fördern, bürokratische Hürden zu diskutieren und Fachleute einzuladen, die über Technik, Planung und Umsetzung referieren.

Das sind nur einige Beiträge zum Umwelt- und Klimaschutz. Kleine Schritte der Bürgerinnen und Bürger in die richtige Richtung.

Was ich aber vermisse, sind die großen Schritte der Stadt Hattersheim

14.11.2021, Markus Schlereth, Vorstand Bündnis 90/Die Grünen



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